Pilotprojekt "HoffnungsBären" - Hoffnung aus Stoff und Plüsch

Es begann mit 3000 Teddybären, die sich zwei Meter hoch in Kartons unter dem Carport von Norbert Nauen türmten. „Eine Bekannte hatte mich kurz zuvor angerufen. In ihrer Firma gab es eine Überproduktion von Stoffbären. Ich dachte an ein bis zwei Kartons.“ ...

Von Nathalie Kauder
Der Landesstellen-Leiter des Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) sagte zu, die Bären bei sich aufzunehmen. „Dann war ich den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, die Tierchen in unserem Haus zu verstauen“, sagt er und lacht. Schon bald stand fest, dass jeder der 3000 Bären ein neues Zuhause finden sollte.
„Meine Frau lag für kurze Zeit im Krankenhaus. Bei den Besuchen sah ich mir die Menschen um mich herum genauer an. Da waren Kinder und Erwachsene, denen man ansah, wie schlecht es ihnen ging. Da dachte ich mir: Die könnten einen Trost-Boten gebrauchen, etwas, durch das sie spüren, dass man an sie denkt und mit ihnen fühlt.“ Also machte sich Nauen auf die Suche nach Menschen, die seine Idee mit ihm weiter- und ausführen könnten. Und er wurde fündig: „Das AWW hat hier sehr großen Zuspruch für das Projekt erhalten, das hat mich beeindruckt, wie viele Menschen anderen helfen wollen.“ Die Idee dahinter: Aus den flauschigen Teddybären werden echte Hoffnungsbären. In Schulen, Vereinen oder Jungschar-Gruppen werden die Spielzeuge mit individuellen Attributen und Kostümchen ausgestattet. So entstehen Bären mit Superhelden-Umhang, Prinzessinnen-Krone und Kleid, Feen-Flügeln oder Arztkittel. Die Kinder und Jugendlichen lassen ihrer Kreativität und Menschlichkeit freien Lauf. So entstehen kleine Kunstwerke aus Plüsch und Stoff, die anderen Freude bereiten sollen.


Mehr als nur Stofftiere
„Die Bären werden dann an Einrichtungen wie den Verein Wildwasser Esslingen, das Kinderhospiz in Kirchheim oder Seniorenheime verschenkt. Eben an Menschen, die Trost gebrauchen können.“ Gerade für Menschen mit Demenz seien die kleinen Fell-Freunde mehr als nur Stofftiere. Sie sind für sie ein wichtiger Bezug, sie können sie knuddeln, streicheln, ihnen Geschichten erzählen. „Eine ältere Dame sagte mir einmal, wie sehr sie sich über ihren Bären freue. Sie habe noch nie einen Teddybären besessen. Bei solchen Aussagen muss man dann schon mal schlucken“, sagt Nauen. Jeder der verschenkten Bären habe eine ganz eigene Geschichte. „Beim Gestalten der kleinen Kostüme und Accessoires will man wissen, wohin der Bär mal landen wird, mit wem er dann Zeit verbringt und was er bei demjenigen bewirkt“, sagt Claudia Nerger. Die Geschäftsführerin des Malkastens hatte gemeinsam mit Mitarbeitern und Kunden eine ganze Reihe von Bären eingekleidet. „Norbert Nauen kam auf mich zu und wollte wissen, ob ich nicht eine Gestaltungsidee hätte. Da habe ich mich in Ruhe hingesetzt und aus Stoffresten neue Kleider genäht.“
Aus einem Bären wurden am Ende 73 Unikate. Die Emotionen kochten auch hier schon bei der Gestaltung hoch: „Ein kleines Mädchen kam mit seiner Mama zu uns in den Laden, um einen Bären zu verschönern. Als dann der Zeitpunkt kam, ab dem sie ihn abgeben sollte, sah ich ihr an, dass ihr der Abschied schwer fiel. Aber ihre Mutter erklärte ihr dann, dass er einem anderen Kind helfen würde. Da hat sie ihn noch einmal ganz fest an sich gedrückt und ihn hier gelassen.“ Und genau das ist es, was Nauen so fasziniert. „Dass Kinder schon mit ihren jungen Jahren begreifen, was es bedeutet, etwas Nettes für andere zu tun. Ohne Eigennutz. Das ist schön zu sehen und sollte weiterhin gefördert werden.“ Seit dem Start des Projektes Hoffnungsbären im Dezember 2017 wurden schon 5.500 Bären verschenkt. Und damit ist es noch lange nicht vorbei. Das Advent-Wohlfahrtswerk ist ständig auf der Suche nach Kooperationspartnern, die gemeinsame gute Sache machen möchten.


Wer ebenfalls etwas zum Projekt Hoffnungsbären beitragen möchte, kann sich im Internet informieren:

www.aww-bw.de/projekte/hoffnungsbaeren.html

Hier geht's zu weiteren Bildergallerien